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2024-01-15

Was sind schon 70 Jahre!?

Was sind schon 70 Jahre?

In diesem Katastrophenjahr 2024 wird der Stadtwolf, nach Menschenjahren gerechnet, siebzig Jahre alt. Kein sehr großes Ereignis, aber eines, das mich beschäftigt. Nach Wolfsjahren gerechnet, bin ich jetzt so um die 10, 11 Jahre alt - in der freien Wildbahn der Großstadt Blieskastel also bereits ein graubärtiger, isegrimmiger Reißer - Phil The Ripper - der gemächlich, manchmal mit Krücken, über den Marktplatz schnürt und nach seiner ebenfalls ergrauten Lady Ausschau hält - die seit zwei Jahren nicht mehr gesichtet wurde. Die Sehnsucht nach dieser Lady Godiva (aka Mrs. Rosa Lee Lupa) hält sich hartnäckig, sie hat sich jahrelang, gemeinsam mit mir, erfolgreich gegen andere Wolfsrudel behauptet. Meine Besuche bei ihr sind unverändert mein einsames Credo, meine Hutschnur, die niemals überschritten wird. Ich schwöre.

Mittlerweile sind wir nicht mehr im großen Rudel des Bliestals vertreten, eher im Kindergarten der Pudel - muss man nicht verstehen, ist nur meine krude satirische Fantasie ......

Als alternder, gut abgehängter Stadtwolf räume ich mir keine weiteren satirischen Frechheiten ein - das gehört sich nicht, passt nicht weiter zum guten Ton von Blieskastel: was früher dort   n i c h t    passierte, ist heutzutage erst recht vergessen. Und nachforschen, das will ich wenig bis gar nicht, meine journalistischen Fähigkeiten erschöpfen sich augenblicklich.  Was die anderen Fähigkeiten betrifft, schweige ich besser. 

Der alte Sack hat Löcher bekommen - noch fliege ich, doch der Autopilot ist soeben gestorben. Beliebig könnte ich dieses Endszenario fortsetzen. Tue ich aber nicht, dort, wo man mit siebzig-achtzig Jahren landet sind mir zu viele alte Leute.

2023-05-21

There´s a change in the weather - there´s a change in me

Die Zeile aus J. J. Cale´s "Call Me The Breeze" ist mehr als prägnant für mich und die fortschreitenden Alterungsprozesse, denen ich derzeit ausgeliefert bin. Ich wandere zwar nicht durchs finstere und ausgetropfte Tränental des greisenhaften Mannes, den ich zu sein oder zu werden nie vorgegeben habe, die Wehwehchen sind unwiderruflich da und nicht wegzuignorieren. 

 Es ist aber auch bemerkenswert schön, auf der Straße und in den dürftigen Geschäften unserer Blies-Metropole ignoriert zu werden - nichts Neues, wurde bereits als ungewaschener Langhaariger in den Siebzigern übersehen. Damals hat es mich tierisch aufgeregt. Mittlerweile regt sich bloss die innere Uhr, sich auf die nächste Bank am großen Marktplatz zu setzen und die Sonnenstrahlen zu genießen. Es ist ein tolles Gefühl, für unsichtbar erklärt worden zu sein - von wem? Keine Ahnung, ich wars nicht. 

Nur eines möchte ich noch loswerden, ehe ich zu sehr langweile: Die Jahre laufen für mein Empfinden gleichförmig ab - wenn man weg vom Fenster ist, als Rentner*in (wow, ich habe zum allerersten Mal gegendert!), ist die Gleichförmigkeit ein tägliches Ritual, das in keiner Zeitung eine Kolumne bekäme.

Na dann, meine Kolumnen erscheinen ja auch in keiner Zeitung .....

 

2022-12-06

Liebgewonnene Klassiker dürfen nicht sterben!

Da gibt es - noch immer! - eine kleine, feine Band, mittlerweile haben über vierhundert Leute mitgespielt, Platten aufgenommen, Tourneen unternommen. Es gibt sie in vielen Besetzungen seit 1969 - eine der wenigen deutschen Bands, die unter "KRAUTROCK" firmieren müssen - welch ein hässliches, daneben liegendes Wort. Die Rede ist von "Embryo", der Jazzrock-Band von Christian Burchard. Habe sie nie live gesehen, nur ein paarmal im TV, was auch wieder fast ein halbes Jahrhundert her ist.  Für diese Band lasse ich alles andere, was in dieser Zeit des Krauts erschien, stehen und liegen - die Band ist die reine Wonne! Schwierig zu konsumierender Jazzrock entwickelte sich gegen Ende des Jahrzehnts zur Weltmusik. Die CD "Embryo´s Reise" kündet davon, von der Reise nach Afghanistan, Pakistan und Indien, mit Frau und Kind, Ross und Reiter und sehr viel Neugier auf die Menschen dieser Länder. Einfach nur wunderbar! Alle möglichen Einflüsse aus den genannten Ländern, sowie Teilnahme einheimischer Musiker, machen die beiden Platten zu einem Juwel.
Ich habe mir die Doppel-LP vor eineinhalb Jahren zugelegt, kostete ´n Schweinegeld, aber es hat sich gelohnt. Ich bin heute noch froh, sie als LP erwischt zu haben. Inzwischen ist sie bei Amazon (!) nur noch als CD erhältlich. Mittlerweile besitze ich weit über ein Dutzend ihrer CDs aus vielen Schaffensperioden, und fast jede haut mich um. Die Musik ist hochkompliziert und für mich schwierig nachzuempfinden, aber ihre Schönheit sucht ihresgleichen. Leider sind zwei ihrer langjährigen Mitglieder, Roman Bunka und besagter Christian Burchard tot, Roman Bunka starb in diesem Jahr, C. Burchard 2018. Für mich die hervorragendsten Musiker aus Deutschland, die innovativ musizieren durften. Ich will keine Vergleiche zu anderen, "echten" Krautrockern ziehen, aber sie, Embryo, sind und waren keine, sie sind Weltmusik, Jazzrock und das Beste, was Deutschland an moderner Musik zu bieten hat. Es gibt sie noch, die Embryo, bald kommt per Post ihre CD "Auf Auf" von 2020 zu mir. Christian Burchards Tochter Marja leitet die Band mittlerweile. Bin gespannt auf diese Musik!


Ein weiterer Lieblingsklassiker, eine Live-Aufnahme von 1976 in Montreux, von Leonard Cohen, gestorben 2016, landete, während ich diesen Artikel schreibe, per Post in meinem CD-Player. Die CD kaufte ich mir aus dem einen Grund, dass ich ihn und seine Band in jenem Jahr live in Saarbrücken in der Saarlandhalle erleben durfte. Sie dauert 125 Minuten, hat nichts verloren an Charme und Esprit dieses großen, großen Poeten meiner Jugend. Meine Cousine B. fuhr an jenem Abend im Mai 1976, wir waren so ergriffen von den bekannten Liedern, dass wir beide weinten vor Glück. Bei meinen Tränen war eine gehörige Portion Unglück beigemischt - aber das nur nebenbei. Leonard Cohen live zu erleben war für mich was einzigartiges, und das 1976! Er sang auf deutsch "Die Gedanken sind frei" gegen Schluss. Ich habe es nie vergessen, Leonard!
Später verblassten seine Platten/CDs mehr und mehr, aber ich habe sie alle gesammelt, höre sie aber leider sehr selten. Seine Texte sind für mich seit Jahrzehnten Vorbild, in seinen Romanen, wie "Das Lieblingsspiel", sah ich meine erste große Liebe umhergeistern. Sie passte zu "Marianne", aber die kommt in dem Roman nicht vor. Meine damalige Liebste war auch nicht drin, zu keiner Zeit .....
So, genug spintisiert. Gedanken eines alten Furzes gehören aber hierher, denn es handelt sich um mittlerweile "alte" Musik aus unterschiedlichen Sparten. Aber es ist Musik, alles ist Musik. Wenn wir alt werden und sterben, werden auch wir Musik. Musik des Weltalls - weil wir sehr, sehr lange unterwegs sein werden.

Am kommenden Samstag wird noch eine CD geliefert, Leonard Cohen live in Tel Aviv, Aufnahmen von 1972. In jenem Jahr kam eine Live-Lp heraus, grottenschlecht aufgenommen, die Lieder waren auch nicht gerade vom Feinsten in Arrangement und Darbietung, viele waren auf der Bühne textlich improvisiert - faszinierend trotzdem für mich, Leonard Cohen, Mann! Jetzt lebt er in seinem besungenen "Tower of Song". Hoffentlich hat er die beste Gesellschaft, die man sich ihm wünschen will. So long.

Veröffentlicht am Die, 6. Dezember 2022

P. S.: Wollt ihr noch mehr von meinen persönlichen Klassikern lesen!? Teilt es mir mit.

2016-04-26

nachtgedanken eines songschreibers

kaum ist die letzte cd abgeschlossen, nehme ich die nächste in angriff, wieder sollen es zwei wohlgefüllte CDs werden. jedenfalls ist das der heutige stand. die Ideen überschlagen sich, aber das ist wohl ein eher schlechtes zeichen, weil ich die wenigsten umsetzen kann und werde.

woran es liegt? es ist stets das gleiche: keine auftritte, keine verkaeufe, weder in blk noch anderswo im saarpfaelzischen raum. vielleicht bin ich ein hasenfuss, weil ich nicht auftreten will?!
ein ehemaliger mitmusiker, sowie etliche leute aus der vergangenheit, sagten mir immer wieder, ich solle nicht singen. sie konnten meiner stimme nichts, aber auch gar nichts, abringen. doch keiner konnte sagen, warum.  sind sie noch groessere hasenfuesse?


ein positives beispiel:
ich veroeffentliche einige lieder auf soundcloud & bekomme hie und da ein paar kommentare zu den songs. es hat noch niemand ueber meinen gesangsstil gelaestert. ich finde das schon merkwuerdig.


aber was kann ich schon von leuten erwarten, die von bob dylans stimme behaupten, er könne nicht singen!?
bob dylan ist einer meiner grossen vorbilder, aber ich ahme ihn nicht nach. darueberhinaus weiss ich, dass das wichtigste an einem rocksong der text ist, sogar im klassischen Rock ´n´ Roll - das kapierte auch keiner meiner alten musikergenossen aus vergangenheit und gegenwart. 

zurueck zu meiner neuesten CD - die 23 songs sind einem rahmenthema untergeordnet, der sicht auf den krieg und die erlebnisse der einfachen menschen, soldaten und andere leute. die texte zu schreiben fiel mir nicht schwer, da löste sich entwas in mir, als ich sie runterhaute - ja, runterhaute, manchmal drei stück an einem einzigen nachmittag, und das ganze in zwei schüben, einer im august, der andere im dezember 2013. ich gab sie meinem französischen freund zu lesen, etwa ein jahr später, dieser war tief beeindruckt von dem konvolut.
die musik - oder besser gesagt, die vertonung der texte war ein schwierigeres ding. im februar 2015 hatte ich ungefähr 16 songs geschrieben und aufgenommen, es fehlten noch acht, um die platte zu vervollstaendigen. es lief nichts mehr, es ging nicht weiter. im januar schrieb ich noch mindestens zehn texte, die nicht zum thema weltkrieg eins gehoerten, einfach nur, um weiterzumachen. sogar manche skizzen habe ich komponiert. aber das gegenwaertige grossprojekt stand still - bis zum november 2015. dann gings auf einmal wieder, schlag auf schlag, song auf song, bis auf einen, den musste ich weglassen. dafuer habe ich zwei selbstzensierte "outtakes" wieder hereingenommen, sie zaehlen mittlerweile zu meinen groessten favoriten. einen davon habe ich auf soundcloud veroeffentlicht.

im grunde genommen bin ich ein wenig stolz auf meine arbeit an dieser doppel-cd. sie ist kein meisterstueck, aber ich weiss nun, wie es ist, beinahe professionell und allein, mit nur zwei zeitweiligen begleitern, musikalisch zu arbeiten. cherio!!

2015-01-01

Aber raetselhaft bleibt ......

Zaeh und traege verfliessen die letzten Tage, nichts hat sich getan, die Zeit steht still - Nicht ein einziges Auto oder ein paar Spaziergaenger sind auf der Strasse vor unserem Haus zu sehen, zwischen den Feiertagen geht das alte Jahr zur letzten Ruhe. Eine letzte melancholische Ergriffenheit macht sich breit, die nicht aufzuhalten ist, weil diese verdammten Feiertage so viel an Erinnerungen in sich tragen, dass es schon an seelische Grausamkeit grenzt, sie wieder und wieder aufs Neue erleben zu muessen. Mir ist ein Alltag lieber, weil er sich nicht so oft wiederholt. Nur alle sieben Tage. Aber Weihnachten steckt zu tief in unseren Köpfen - Dabei ist dieses Fest rein von Menschen erdacht worden, mit Mystik hat es nichts zu tun. Alles willkuerlich irgendwann in der Spaetantike festgelegt. Die Glaeubigen glauben doch alles, was man ihnen vorsetzt.
Raetselhaft bleibt doch, wohin Jesus ging, als er vor der Kreuzigung gerettet wurde. Hat er wirklich in Indien bis zu seinem Tod gelebt!? Und warum feiern die Inder dann kein Weihnachten? Wenn er ueberlebt hat, gaebe es auch keinen Grund, das Osterfest zu feiern, es entbehrte jeder Grundlage.
Na schoen, Mythen werden dann erfunden, wenn man sie benoetigt. Und je weniger man von einer Person weiss, desto fantastischer duerfen diese Mythengeschichten ausfallen. Klappte in der Antike genausogut wie heute.
Am Heiligabend war ich in der Kirche, um einem Kindergottesdienst zuzuhoeren, der fast ausschliesslich von Kindern gestaltet wurde. Die Kirche war proppenvoll. Es erinnerte mich gespenstisch an die Weihnacht des Jahres 1967, alle Verwandten und meine Eltern sah ich ploetzlich hier sitzen, in der fuer sie festgesetzten Sitzanordnung, die nicht aufgebrochen werden durfte, damals. Wir glaubten auch damals alles, was der Pfarrer uns von Jesus erzählte. 
Zurueck zur Gegenwart, es waren meist fremde junge Ehepaare, die Eltern oder Angehoerige der agierenden Kinder vor dem Altar, am Schluss gab´s sogar Beifall fuer die Weihnachtsvorstellung der Juengsten des Dorfes und seiner Umgebung. Es war mir fremd, in einer Kirche zu sitzen - Und die Jugenderinnerung, oder -vision koennte ich sie auch nennen, brachte mir die friedlichste Stimmung fuer die naechsten drei, vier Tage seit unendlich langer Zeit. 
Mein Zorn und Unmut waren und blieben verschwunden.
& am Neujahrstag war ich mit meiner Lebensgefährtin oben am blieskasteler Kloster, eigentlich nur, um frische Luft zu schnappen. Aber mich zog es in die kleine Kapelle, ich wollte eine Kerze stiften und mich für das letzte Jahr bedanken (bin nicht katholisch, vor einem Vierteljahrhundert aus der evangelischen Kirche ausgetreten, wohlgemerkt!). Dazu brauchte ich einen heiligen Ort, die Kapelle kam mir da gerade recht. Eine einzelne Frau, sehr hübsch anzuschauen, vielleicht um die Vierzig, kniete in der Kapelle. Meine Lebensgefährtin schaute sie beim Hinausgehen einen Augenblick an, dann sagte sie spontan zu ihr, dass sie wünsche, dass das Anliegen dieser Frau sich erfüllen möge. Wir sahen uns an, lächelten uns an - In diesem Moment spürte ich, dass wir Menschen allesamt miteinander verwandt sind. Es erfüllt mich seitdem ein tiefer, tiefer, nie zuvor gekannter Friede, der hoffentlich auch dieser Frau zukommt.

2014-12-09

Gefangen und befreit - Mein Verhältnis zu meiner Heimatstadt, Teil 1

Wie hätte ich es denn nur gerne? Ich komme von dieser Stadt Blieskastel nicht los, weil und gerade deshalb sie meine heimatliche Stadt und Gegend ist, in der ich lebe, liebe, hasse und gehasst werde - Sei´s drum. Es ist auch die Stadt, von der ich abhängig bin, wenn ich zum Arzt gehen oder Lebensmittel kaufen muss, letzteres tue ich gerne, ersteres weniger. die leute in der stadt an sich interessieren mich weniger, nur die zugezogenen sind interessanter für mich, obschon ich ein waschechtes Kind dieses Tales bin, muss ich zugeben. Ob ich für die Blieskasteler interessant genug bin, entzieht sich meiner Kenntnis, respektive meiner wachsenden Ignoranz.
Morgen, an einem Dienstag, muss ich zu meiner Hausärztin. Sie praktiziert in der Innenstadt, nicht weit weg von den mächtigen Stadtwerken, die weite Teile Blieskastels in all ihrer Unheimlichkeit dominieren. Ich gehe ungern zu ihr, denn irgendetwas stimmt nicht mehr mit den Ärzten, sind sind unpersönlich und fast feindselig geworden, so, als wollten sie das Geld gerne kassieren, aber keine ihrer Patienten behandeln. Für mich persönlich ist es entsetzlich, das mitansehen und -hören zu müssen. Ich erinnere mich einer Zeit, als die Mediziner dieser Stadt freundlich und zuvorkommend zu ihren Kranken waren, ob sie nun tatsächlich krank waren oder nicht. Die Zeiten werden härter, das Gold liegt nicht weiter auf der Strasse, den Fischen wird das Wasser abgegraben, es entwickelt sich eine seltsame Zunft in unserer Region. Für die ich keinen Namen habe, weil ich sie verachte.
Vielleicht liegt es daran, dass meine Bekannten und weniger gut Bekannten alle alt geworden sind, viele sind schon reichlich betagte Senioren und Seniorinnen, auch ich bin nicht weiter jung, obwohl ich mich in meinen Gedanken nicht so fühle. Es beunruhigt mich nicht, nur, wenn so viele um mich herum wegsterben, komme ich mir äusserst fremd im eigenen land vor. Von meiner Sippe aus der Grossmutterlinie meines Vaters starben alleine in den letzten drei Jahren fünf Menschen, die ich fast ausschliesslich über dieses Treffen kennenlernen durfte, und die ich überaus gerne mochte - Nur als Beispiel gedacht. Das alljährliche Sippentreffen offenbart eine abnehmende Zahl der noch Lebenden, jüngere Verwandte kommen keine dazu. Die gehen allesamt andere Wege.
Mein Weg führt mich morgen wieder nach Blieskastel, über die Brücke und am ersten Kreisel vorbei, zu den wohlbe-kannten Gebäuden, die mir die Vergangenheit unsanft in Er- innerung rufen werden, jedesmal, wenn ich sie erblicke. Manchmal bin ich vor mir selbst verblüfft, wenn ich mich dabei ertappe, dass sie mir so angenehm vertraut begegnen, wenn ich die ersten Schritte in Richtung Marktplatz mache. Doch das ist dann schon alles. Mein Unmut nimmt überhand, und das ist auch richtig so, im Zorn habe ich stets die besten Einfälle, so oder so - im Guten und im Bösen.
(wird fortgesetzt)

2013-06-15

der wunsch ist der terror des gedankens

da war ich doch tatsaechlich kurz davor, einen reporter von eigenen gnaden zu werden - schon ist der spuk wieder vorbei. jedenfalls fuer den moment.
was ist geschehen?
nichts ist geschehen. mir ist nur wieder mal der wind abhanden gekommen, der meine segel blaeht, damit meine wut nicht in der sargassosee versinkt. 
ich brauche die sargassosee beileibe nicht, blieskastels silhouette genuegt schon, um alle bitterkeiten meines daseins revue passieren zu lassen. & diese bitteren erkenntnisse erdruecken mich von zeit zu zeit.
eigentlich bin ich ja frei - nur im kopf zwar - aber frei. man kann mich toeten, meinen freien geist kann niemand umbringen. aber es ist noch mehr. ich gehoere niemandem, nur der verdammte staat mischt sich ueberall ein. ich habe es so satt, ein kleines raedchen in diesem unechten verbund zu sein. aber wohin denn ich? wohin die anderen gleichgesinnten, oder nicht-gleichgesinnten. diejenigen, die an diesen staat glauben, an seinen  gerechten aufbau, seine aufrichtigen staatsmaenner, sie sind mit uns im selben boot, das man liebend gerne & mit mann & maus ausbooten wuerde. nur, wer soll dann die ganzen steuern bezahlen? von was sollten dann die staatsmaenner & -frauen leben? na, sie koennen ja einen neuen staat gruenden - oder, wie bertold brecht es so schoen formulierte, sich "ein anderes volk waehlen".
aber nein, ich bleibe im lande & wehre mich taeglich. frueher machte dieser kampf noch spass, aber jetzt ..... die zeiten haben sich geaendert, ich habe zig jahre mehr aufm buckel, ich spuere sie, sie druecken, ziepen & hinterlassen blaue flecken. 
noch ist die resignation nicht weiter voran geschrittten. doch liegt sie schon in den startloechern. soll sie auch, sich erheben & aufstehen war schon seit jeher in deutschland sehr gefaehrlich. & napoleon beendete schliesslich die revolution in seinem land, nach zehn jahren revolutionaerem prozess.
bei uns im deutschen land wurde sie im keim erstickt. mit kartaetschen blutig beendet, viele wanderten aus nach nordamerika, aber ich bleibe hier.
tue ich es gerne?
will ich nicht wie otto klemperer zuhause in einem terrorstaat leben & den taeglichen horror eines unrechtsregimes schriftlich dokumentieren?
dann wuerde ja doch noch ein reporter aus mir werden.

2013-06-11

Die Signale bleiben aus

- was einsamkeit bedeutet -

erste schritte wollte ich in richtung recherche ueber die armut in meiner heimatstadt blieskastel unternehmen. der gedanke zu diesem artikel steckt schon seit geraumer zeit in meinem kopf. was ist los, ich komme nicht in die gaenge, in die hufe, mache mich nicht aufn weg zu leuten, die gewichtig sind am ort, die ebenso darueber gruebeln, was es heisst, in einer stadt zu leben ohne finanzielle sicherheiten, ohne geld jemals zu besitzen - ein erster zaghafter versuch in diese richtung liess mich am vergangenen sonntag auf dem klosterfest in blieskastel landen.
weit davon entfernt, katholisch zu sein, zieht es mich doch hierher zu den drei moenchen, die das kloster bewirtschaften. in den alten zornigen zeiten haette ich sie sicher angequatscht, einen der drei kapuziner zumindest, er haette mir bestimmt rede & antwort gestanden. 
an der vordersten ecke der klosterkirche kauerte ein bettler, dem gab ich einen kleinen betrag, nichts im vergleich zu dem, was ich auf dem fest ausgab, eine rostwurst, zwei klosterbier. obwohl in meinem geldbeutel zu dieser zeit lediglich sechs euro waren.
den armen teufel hat niemand beachtet. arme sind unsichtbar, sollte man meinen.
mir gefiel das fest, das treiben, das schoene wetter rundete alles ab, hier oben hat man einen tollen ausblick auf die stadt & das bliestal, so weit das auge reicht.
vielleicht muss ich erst durchatmen, bevor ich mein vorhaben tatsaechlich in angriff nehme. der artikel wird geschrieben, das weiss ich heute schon. nur braeuchte ich mehr wut, mehr authenzitaet, mehr wortgewalt in meinen saetzen. 
jeder satz, den ich bereits formulierte, & der von der armut in blieskastel handelt, ist kuemmerlich & - ja, halbherzig. es ist ein gefuehl des alleingelasseinseins, als waere der letzte bus nach hause bereits abgefahren, nachts um halb eins, niemand ist unterwegs, & ich habe einen langen, langen fussweg nach hause zu nehmen.
da ist der reiche autohausbesitzer aus blieskastel, der mit seiner familie hier sass & gerade im begriff ist, heimzugehen.
der macht sich sicher ganz andere sorgen, denke ich bei mir, & da ich ihn nicht gruessen will, drehe ich mich schnell um & lasse den (k)elch an mir voruebergehen.
kaum ist er verschwunden habe ich ihn schon vergessen, die duesteren gedanken dazu, die ich fuer diese sippe hege. sie sind mir zutiefst unsympathisch, fast widerwaertig. im alltag erlebe ich sie zum glueck nicht oder sehr selten - es gibt wichtigere dinge als ueber autohaendler nachzudenken.
die moenche sind beschaeftigt, gesellig, aber beschaeftigt. ich schaue mich nach anderen leuten um, die fuer eine befragung geeignet schienen. aber ich kann niemanden mehr entdecken. mein konzept, das ich mir im gedaechtnis aufgelistet habe, geht allmaehlich ausm leim. ich weiss nun, es ist nicht der richtige zeitpunkt, leute zu fragen, ob sie zeit fuer ein heikles dunkles thema haetten, selbst moenche kommen dafuer heute nicht in frage.
oder habe ich nur wieder schiss vor der eigenen courage?!
eigentlich war die wut, der zorn, den ich vor nunmehr sieben jahren in mir trug, der letzte rest an hoffnung auf eine echte arbeitsstelle - was ist jetzt noch von ihr uebrig? 
die antwort brauche ich mir nicht zu geben.
der bettler sitzt noch immer am selben ort, er hat eine mordsgeduld.
meine ist weg.
die letzten monate sind alle meine taetigkeiten, plaene, vorhaben, traeume von einer nahen zukunft, so etwas aehnliches wie "letzte dinge erledigen". es ist ein tiefes gefuehl des abschiednehmens in mir. dabei habe ich weder vor auszuwandern noch zu sterben.
das erledigen andere fuer mich.
der artikel ueber die armut in blieskastel wird sicherlich kein heimatroman.
ist die ueberschrift nicht merkwuerdig? aber gewiss nicht, die einsamkeit ist eine der beruechtigten begleiterscheinungen der armut, sie ist universell, nicht von einem ort abhaengig. & sie traegt nicht die kosten, dafuer muss man selber aufkommen.














 




2013-05-07

.... wenn ich einmal reich waer!

- eine milchmannrechnung aus dem 21. jahrhundert -


was bedeutet es, arm zu sein, was ist armut?!
ein alter cartoon von kurt halbritter faellt mir da immer wieder ein: zwei aufgeputzte, offensichtlich aus reichem elternhaus stammende, studentinnen stehen vor einem am boden kauernden bettler & unterhalten sich: "sieh mal: armut! genauso, wie sie´s uns in soziologie beigebracht haben!"
oder das: ARMUT ist keine Schande!

ist sie doch - der betroffene hier in deutschland ist sich dessen nur zu bewusst. doch hat er kaum selbstbewusstsein, das wird ihm naemlich gruendlich ausgetrieben, zumindest erschwert. ein armer ist nach wie vor verpoent - er hat draussen zu bleiben, wenn er um was bittet, werden gleich tonnenweise resentiments vor ihm ausgeschuettet, mit tausend begruendungen, es nicht so zu meinen, es doch nur gut zu meinen, wird er abgelehnt.
es gibt auch menschen, die einem armen etwas geben, doch die vorurteile bleiben.

da ist die staatlich verordnete armut - hartz4. du sollst so bleiben, wie du bist, du darfst nicht hochkommen. du bist lumpenproletariat. du bist der dreck in den bueros der beamten, die dich im dreck sehen wollen. & auch in wirklichkeit so sehen. dafuer sind sie schliesslich staatsdiener. sie schneiden sich jeden monat das almosen aus den eigenen rippen, damit die hartzer ueberleben koennen. sie opfern die staatsgelder, die stuetze, auf, damit die hartzer weiter hartzen koennen.
zu hart gedacht? holzschnittartig, schoen, mit schwarz-weissem kontrast versehen? ja.
ungerecht ist die welt, das leben, warum sollte ich denn da zurueckstehen? diese letzten jahre in armut liessen mich zum zyniker werden, auch in eigener sache. & wiederum ironisch, man verachtet dabei die armen & ist selber einer. man fuehlt sich nur besser als die anderen, schliesslich kommt man aus einem guten elternhaus. wie erbaermlich ist das denn!!!!!????
noch ist genug zu essen da in deutschland, genuegend geld, auch die schwaechsten der schwachen zu finanzieren - es wird nur nicht richtig verteilt.
wuerde man die armut aufteilen, wuerde man es nicht bemerken, denn die reichen sind so reich, dass sie hier & da ein paar euro weniger gar nicht bemerken wuerden, nicht mal auf ihren kontoauszuegen.