Hier kannst du mir was mitteilen!

Dieses Blog durchsuchen

Posts mit dem Label soziale brennpunkte in der stadt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label soziale brennpunkte in der stadt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

2013-10-28

Durch die Stadt gehen

samstags der flohmarkt, durchmischt, weder fisch noch fleisch - heute, montag, ein regnerischer fruehnachmittag, ebenfalls durchmischt. 4 ennui-geile jungteen-boys glotzen sich die augen schier aus wegen meines verdreckten outfits. waren wir, als wir jung waren, ebenso ver-glotzt, suechtig nach sensationen, anderen eins auszuwischen!? ich weiss nicht ....
was mich stoert, an dieser stadt, an diesen bewohnern, an diesen strassen, an diesen plaetzen ist: sie sind oede. einfach nur oede. meine geduld ist am ende, ich wuensche mir einen echten underground herbei, fuer diese provinzstadt & die ganze gegend, von homburg, zweibruecken, st. ingbert, neunkirchen bis hierher. wenn es ihn nicht schon in diesen staedten gibt. aber in blieskastel fehlt nicht nur ein untergrund. 

aber - lassen wir dieses seltsame jahr ruhigen gewissens zu ende gehen, es wird sich im neuen nichts wesentliches aendern. so geht dies nun schon seit vierzig jahren. die zahl vierzig erschreckt mich, sind es wirklich schon so viele? 
keine panik, die zeitlaeufte haben fuer blk nicht viel gebracht, jetzt stehen sie still, endlich still. 
& in dieser umgebung werden die jungs gross, denke ich, wenn sie nicht mit 16 oder 18 jahren hinaus in die welt muessen, mich alten sack haben sie schon heute vergessen. 
aufgrund ihrer jugendlichen unerfahrenheit mussten sie so daemlich grinsen. 
& ich schleiche mich zu meinem auto & verkrieche mich in meiner gemuetlichen hoehle am notebook & schaue weiter in die vergangenheit. meine alten lieblinge veraendern sich staendig, nur manche werden mit der zeit schlechter & oberflaechlicher. darin sind sie den jungteens so aehnlich. nur dass ihre stimmen nicht so welpenaehnlich klingen, sondern ziemlich abgehangen oder sogar verdaut. 
meine ist zwar nicht rostig geworden, aber das sprechen faellt mir manchmal schon schwerer als gewoehnlich. 
eines, eines hat sich doch geaendert in den jahren: blieskastels coolness hat erschreckend zugenommen. allenthalben bemerke ich sie, das einzelne individuum zaehlt nichts, es lebt nur die masse auf. & das schubladendenken. & von nostalgie keine spur mehr zu sehen. nur sentimentalitaeten, oder haben die etwa auch etwas mit nostalgie zu tun!? oder verwechsele ich coolness mit arroganz!? 
so ein kleines kaff, kleiner als der friedhof chicagos, & arroganzen wie zu kaisers zeiten vor dem weltkrieg 1. es sollte mich eigentlich gar nichts mehr wundern.
bin gespannt auf den halloween-donnerstag. da soll es in blieskastel hoch hergehen, habe ich in der sz gelesen. ich werde den stadtwolf-blick zuhause lassen & endlich mal da hingehen, um fotografieren zu koennen, bin gespannt, was mir vor die linse geraet. werd´ die fotos wahrscheinlich hier veroeffentlichen. wenn die arroganzler sie dann ueberhaupt bemerken. 
sie werden nichts bemerken. 
sie werden dem higher life froenen, labern, was trinken, ihre blagen verkleiden mit allem schnickschnack, den die halloween-mode zu bieten hat - damit in der zeitung wieder steht, dass blieskastel eine der hochburgen des halloweens ist. welch eine sensationelle entdeckung!
vielleicht sehe ich die vier teenie-boys da ebenfalls wieder, dann kriegen sie aber saures von mir!

Enhanced by Zemanta

2013-06-11

Die Signale bleiben aus

- was einsamkeit bedeutet -

erste schritte wollte ich in richtung recherche ueber die armut in meiner heimatstadt blieskastel unternehmen. der gedanke zu diesem artikel steckt schon seit geraumer zeit in meinem kopf. was ist los, ich komme nicht in die gaenge, in die hufe, mache mich nicht aufn weg zu leuten, die gewichtig sind am ort, die ebenso darueber gruebeln, was es heisst, in einer stadt zu leben ohne finanzielle sicherheiten, ohne geld jemals zu besitzen - ein erster zaghafter versuch in diese richtung liess mich am vergangenen sonntag auf dem klosterfest in blieskastel landen.
weit davon entfernt, katholisch zu sein, zieht es mich doch hierher zu den drei moenchen, die das kloster bewirtschaften. in den alten zornigen zeiten haette ich sie sicher angequatscht, einen der drei kapuziner zumindest, er haette mir bestimmt rede & antwort gestanden. 
an der vordersten ecke der klosterkirche kauerte ein bettler, dem gab ich einen kleinen betrag, nichts im vergleich zu dem, was ich auf dem fest ausgab, eine rostwurst, zwei klosterbier. obwohl in meinem geldbeutel zu dieser zeit lediglich sechs euro waren.
den armen teufel hat niemand beachtet. arme sind unsichtbar, sollte man meinen.
mir gefiel das fest, das treiben, das schoene wetter rundete alles ab, hier oben hat man einen tollen ausblick auf die stadt & das bliestal, so weit das auge reicht.
vielleicht muss ich erst durchatmen, bevor ich mein vorhaben tatsaechlich in angriff nehme. der artikel wird geschrieben, das weiss ich heute schon. nur braeuchte ich mehr wut, mehr authenzitaet, mehr wortgewalt in meinen saetzen. 
jeder satz, den ich bereits formulierte, & der von der armut in blieskastel handelt, ist kuemmerlich & - ja, halbherzig. es ist ein gefuehl des alleingelasseinseins, als waere der letzte bus nach hause bereits abgefahren, nachts um halb eins, niemand ist unterwegs, & ich habe einen langen, langen fussweg nach hause zu nehmen.
da ist der reiche autohausbesitzer aus blieskastel, der mit seiner familie hier sass & gerade im begriff ist, heimzugehen.
der macht sich sicher ganz andere sorgen, denke ich bei mir, & da ich ihn nicht gruessen will, drehe ich mich schnell um & lasse den (k)elch an mir voruebergehen.
kaum ist er verschwunden habe ich ihn schon vergessen, die duesteren gedanken dazu, die ich fuer diese sippe hege. sie sind mir zutiefst unsympathisch, fast widerwaertig. im alltag erlebe ich sie zum glueck nicht oder sehr selten - es gibt wichtigere dinge als ueber autohaendler nachzudenken.
die moenche sind beschaeftigt, gesellig, aber beschaeftigt. ich schaue mich nach anderen leuten um, die fuer eine befragung geeignet schienen. aber ich kann niemanden mehr entdecken. mein konzept, das ich mir im gedaechtnis aufgelistet habe, geht allmaehlich ausm leim. ich weiss nun, es ist nicht der richtige zeitpunkt, leute zu fragen, ob sie zeit fuer ein heikles dunkles thema haetten, selbst moenche kommen dafuer heute nicht in frage.
oder habe ich nur wieder schiss vor der eigenen courage?!
eigentlich war die wut, der zorn, den ich vor nunmehr sieben jahren in mir trug, der letzte rest an hoffnung auf eine echte arbeitsstelle - was ist jetzt noch von ihr uebrig? 
die antwort brauche ich mir nicht zu geben.
der bettler sitzt noch immer am selben ort, er hat eine mordsgeduld.
meine ist weg.
die letzten monate sind alle meine taetigkeiten, plaene, vorhaben, traeume von einer nahen zukunft, so etwas aehnliches wie "letzte dinge erledigen". es ist ein tiefes gefuehl des abschiednehmens in mir. dabei habe ich weder vor auszuwandern noch zu sterben.
das erledigen andere fuer mich.
der artikel ueber die armut in blieskastel wird sicherlich kein heimatroman.
ist die ueberschrift nicht merkwuerdig? aber gewiss nicht, die einsamkeit ist eine der beruechtigten begleiterscheinungen der armut, sie ist universell, nicht von einem ort abhaengig. & sie traegt nicht die kosten, dafuer muss man selber aufkommen.