Die Samstags-Blues - wer kennt sie nicht!? nix im Kühlschrank, nix in der Kiste, nix auf der Straße. Wetten, es ist Samstag!? In guten Zeiten, aber noch nicht alt, da habe ich geklimpert und geschrieben, mit ein paar Freunden oder allein. Abends hörten wir auf, ich spielte weiter, bis mir die Fingerkuppen abfielen. ´N Packen Texte und ein paar Notenkritzeleien später war ich in ´ner Kneipe, da war auch nix weiter los. Alles hier in der Gegend passiert, fast vor eurer Haustür.
Das waren die Nächte, als das WH Bauernfest noch GREAT war! 1972.
Damals, im Juli, da war mein Höfner-Bass gerade mal einen Monat alt, in meinen Händen spielte er sich auch so, neu und unverbraucht. Mein 20-Watt-Dynacord-Amp rostete mir ein John-Mayall-Riff in die Birne, ich spielte es wahrscheinlich vier Stunden lang. Traf manchmal zur richtigen Zeit den richtigen Ton - doch ich lernte dabei, ohne es zu merken. Später kamen mir diese Quälerei auf meinem Lieblingsinstrument zugute. Doch mit der Band wars dann auch Essig - das war 1980 aufm Blieskasteler Altstadt-Fest. Wir trennten uns.
Und weiter mit der Schreiberei - kaum Englischkenntnisse, daher schrieb ich deutsch. Klang nicht gut, aber die Message war besser - rauchgeschwärztes Hippiezeugs. Nachahmung von Joni Mitchells Akustikgitarren-Tunings. Meine Lyrics manchmal von Hermann Hesse oder George Orwell geklaut. Natürlich mit meinen Geistesblitzen verbrämt und angereichert. Sie saßen mir auf der Pelle, die beiden Promis, lachten, verhöhnten mich, wenn ich unbewusst von ihnen klaute - ein "Weiter so, stupid!" schütteten sie mir ins Bierglas. Ich trank es ex.
Und jetzt!? Mit fast Siebzig Jahren im Gepäck!? Seit 2005 nenne ich mich Dichter. Habe mich schon einmal so genannt, 1975, als meine ersten Gedichte in einem Lit-Mag in Saarbrücken erschienen. Ich erntete Lob von manchen Lehrern, die diese Schülerzeitschriften lasen. Und 2005 lobten mich Doktoren, Profs und kundige Literaten aus Frankfurt am Main!
In einer Art "trockenem" Rauschzustand schrieb ich innerhalb kürzester Zeit 21 längere Passagen, Assoziationsketten wie im Rausch, direkt in den PC hinein - sowas musste ich halt mal ausprobieren, früher hackte ich diese Kaskaden in die Schreibmaschine, wie weiland Jack Kerouac. Wer kennt den noch!?
Seit 1975 nehme ich die selbstverfassten Songs auf. Meine erste Aufnahme: ein Liebeslied an meine damalige Freundin. Sie fluchte, weil ich diese Aufnahme auf einer Musicassette am Schluss versteckte. Meine Freundin gab mir einen Fluch mit auf meinen Karriereweg. Wirds jetzt interessanter für euch?
In Blieskastel gibt es die Offene Bibliothek. Mal davon gehört? Dort kann man Bücher mitnehmen und welche hinbringen - es ist ein reges Tauschen und Geben und Nehmen. Hauptsache, die Bücher kommen unters Volk und werden gelesen. Auch ich nehme mir manchmal eines mit oder bringe welche vorbei. Ich habe schon interessante Menschen dort angesprochen und angetroffen, die mich ansprachen. Gemeinsam war uns die Literatur.
Gedichtbände habe ich ganz, ganz selten welche gefunden - dann waren sie von Wilhelm Busch, wenn überhaupt.
Ich mag die deutschen Dichter des frühen 20. Jahrhunderts. Wer kennt sie? Wer mag sie von euch? Wer hat ihre Bücher zu Hause rumstehen und liest manchmal in ihnen? Ich würde mich freuen, es zu erfahren.
Ich sammele alles, was es gibt. Es ist alles Musik darin, man muss nur hinhören. Für dieses Jahr und die drei nächsten habe ich ein kleines Projekt: ich werde Sounds in Blieskastel und seiner Umgebung sammeln. Alles, was es gibt - Maschinenrhythmen, Geplauder, Musikfetzen, Gesang dito. Lebendige und tote Sounds. Die baue ich ein in meine Sounds, auch manchmal Songs genannt. Und ich sammele sie an bestimmten Stellen in Blieskastel, die ich nicht verrate.
Also, wenn ihr einen alten Zausel mit einem Mikrofon und einem seltsamen kleinen Ding, sieht aus wie ein Radio aus den Sechzigern, in der Hand rumstraucheln seht ......!
Keine Bange, ich werde nichts veröffentlichen, ihr braucht nix zu kaufen. Es ist nur ein Wunsch, den ich mir in den späten Tagen gönne, ihn zu verwirklichen. Die Stadt ist voller Geheimnisse - ich bin keins von ihnen.
Nur eines. Wenn einer von euch mal an der Offenen Bibliothek stehen sollte, denkt eine Sekunde lang an mich - an einen Sänger, der nicht schreibt und einen Dichter, der nicht singt. Das sind die schlimmsten.