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2024-06-22

Wer mag Gedichte und Lieder?

Die Samstags-Blues - wer kennt sie nicht!? nix im Kühlschrank, nix in der Kiste, nix auf der Straße. Wetten, es ist Samstag!? In guten Zeiten, aber noch nicht alt, da habe ich geklimpert und geschrieben, mit ein paar Freunden oder allein. Abends hörten wir auf, ich spielte weiter, bis mir die Fingerkuppen abfielen. ´N Packen Texte und ein paar Notenkritzeleien später war ich in ´ner Kneipe, da war auch nix weiter los. Alles hier in der Gegend passiert, fast vor eurer Haustür.

Das waren die Nächte, als das WH Bauernfest noch GREAT war! 1972. 

Damals, im Juli, da war mein Höfner-Bass gerade mal einen Monat alt, in meinen Händen spielte er sich auch so, neu und unverbraucht. Mein 20-Watt-Dynacord-Amp rostete mir ein John-Mayall-Riff in die Birne, ich spielte es wahrscheinlich vier Stunden lang. Traf manchmal zur richtigen Zeit den richtigen Ton - doch ich lernte dabei, ohne es zu merken. Später kamen mir diese Quälerei auf meinem Lieblingsinstrument zugute. Doch mit der Band wars dann auch Essig - das war 1980 aufm Blieskasteler Altstadt-Fest. Wir trennten uns. 

Und weiter mit der Schreiberei - kaum Englischkenntnisse, daher schrieb ich deutsch. Klang nicht gut, aber die Message war besser - rauchgeschwärztes Hippiezeugs. Nachahmung von Joni Mitchells Akustikgitarren-Tunings. Meine Lyrics manchmal von Hermann Hesse oder George Orwell geklaut. Natürlich mit meinen Geistesblitzen verbrämt und angereichert. Sie saßen mir auf der Pelle, die beiden Promis, lachten, verhöhnten mich, wenn ich unbewusst von ihnen klaute - ein "Weiter so, stupid!" schütteten sie mir ins Bierglas. Ich trank es ex. 

Und jetzt!? Mit fast Siebzig Jahren im Gepäck!? Seit 2005 nenne ich mich Dichter. Habe mich schon einmal so genannt, 1975, als meine ersten Gedichte in einem Lit-Mag in Saarbrücken erschienen. Ich erntete Lob von manchen Lehrern, die diese Schülerzeitschriften lasen. Und 2005 lobten mich Doktoren, Profs und kundige Literaten aus Frankfurt am Main!

In einer Art "trockenem" Rauschzustand schrieb ich innerhalb kürzester Zeit 21 längere Passagen, Assoziationsketten wie im Rausch, direkt in den PC hinein - sowas musste ich halt mal ausprobieren, früher hackte ich diese Kaskaden in die Schreibmaschine, wie weiland Jack Kerouac. Wer kennt den noch!? 

Seit 1975 nehme ich die selbstverfassten Songs auf. Meine erste Aufnahme: ein Liebeslied an meine damalige Freundin. Sie fluchte, weil ich diese Aufnahme auf einer Musicassette am Schluss versteckte. Meine Freundin gab mir einen Fluch mit auf meinen Karriereweg. Wirds jetzt interessanter für euch? 

In Blieskastel gibt es die Offene Bibliothek. Mal davon gehört? Dort kann man Bücher mitnehmen und welche hinbringen - es ist ein reges Tauschen und Geben und Nehmen. Hauptsache, die Bücher kommen unters Volk und werden gelesen. Auch ich nehme mir manchmal eines mit oder bringe welche vorbei. Ich habe schon interessante Menschen dort angesprochen und angetroffen, die mich ansprachen. Gemeinsam war uns die Literatur. 

Gedichtbände habe ich ganz, ganz selten welche gefunden - dann waren sie von Wilhelm Busch, wenn überhaupt. 

Ich mag die deutschen Dichter des frühen 20. Jahrhunderts. Wer kennt sie? Wer mag sie von euch? Wer hat ihre Bücher zu Hause rumstehen und liest manchmal in ihnen? Ich würde mich freuen, es zu erfahren. 

Ich sammele alles, was es gibt. Es ist alles Musik darin, man muss nur hinhören. Für dieses Jahr und die drei nächsten habe ich ein kleines Projekt: ich werde Sounds in Blieskastel und seiner Umgebung sammeln. Alles, was es gibt - Maschinenrhythmen, Geplauder, Musikfetzen, Gesang dito. Lebendige und tote Sounds. Die baue ich ein in meine Sounds, auch manchmal Songs genannt. Und ich sammele sie an bestimmten Stellen in Blieskastel, die ich nicht verrate.
Also, wenn ihr einen alten Zausel mit einem Mikrofon und einem seltsamen kleinen Ding, sieht aus wie ein Radio aus den Sechzigern, in der Hand rumstraucheln seht ......!

Keine Bange, ich werde nichts veröffentlichen, ihr braucht nix zu kaufen. Es ist nur ein Wunsch, den ich mir in den späten Tagen gönne, ihn zu verwirklichen. Die Stadt ist voller Geheimnisse - ich bin keins von ihnen.

Nur eines. Wenn einer von euch mal an der Offenen Bibliothek stehen sollte, denkt eine Sekunde lang an mich - an einen Sänger, der nicht schreibt und einen Dichter, der nicht singt. Das sind die schlimmsten.

2024-01-26

Stadtwolf-Grübeleien in einer Winternacht

Philosophisch ist der Angsthase im eigenen Land.

 Ist es gut und gerechtfertigt, Kindern Angst einzuimpfen?! Die Liebe zu Tieren und zur Natur einem Kind vorzuenthalten, ist eine Sache, doch Angst an diesem Kind zu pflegen und weiter zu verbreiten ist eine andere, ungerechtfertigte. Und als Erwachsener darf keine gezeigt oder an den Tag gelegt werden, das ist ein ungeschriebenes Gesetz, nicht nur in Blieskastel. Widersprüche. Widerliche Sprüche, aus den Tiefen der Unkenntnis hervorgespült, um die Wirklichkeit zu verwässern. 

In dieser Woche - die vierte Januarwoche in 2024 - herrschte rund um Blieskastel Hochwasser. Fasziniert und gleichzeitig enstetzlich angstangefüllt schaue ich auf die schnell driftenden Wasser der Blies, wenn ich sie kurz vor der Stadt überquere, in scheinbarer Sicherheit von der Brücke aus gesehen. Schaue ich längere Zeit auf diese dräuenden Fluten wird mir jedesmal schwindlig und mulmig zumute, das ist verbunden mit einer Erinnerung aus der Kindheit, die mich zeitlebens nicht verlassen hat: die Angst vor fließendem Wasser, Flüsse, Ströme - ich sehe immer noch den erhobenen Zeigefinger der Alten, die mich erzogen haben. Sage niemand von euch mutigen, selbstbewussten und hoffärtigen Menschen jetzt bloss nicht "Welpe" zu mir, sonst beiße ich euch in die Leber, Wölfe fürchten sich nicht vor Wasser.
Ich schon.

Werten, Urteilen über verschiedentliche Vorurteilsdenkweisen sind ein probates Mittel der Ver- und Entfremdung, sie sind bequem und nützlich, dem Gegenüber zu zeigen, was ´ne Harke ist. Ich stellte mich gerne UNTER diese Brücke der scheinheiligen Kommunikation miteinander, auch zeitlebens. Ich entweihte damit nichts, lediglich meine eigene Würde. Und da ich keinerlei Würdenträger bin, ist das nicht von Wert, nachhaltig gar nicht.
Soviel zu meiner Person als Mensch, wenn ich diese Rolle hie und da annehme.

Da gab und gibt es aber etwas, das man in seiner Häme leicht übersieht: das graue bis dunkle Fell, der heimtückische Blick, die zur Schau gestellte Samtpfötigkeit, alles entsetzliche Widersprüche mit sofortiger Wirkung, die nichts Gutes verheißen mag. Ein Wolf eben, und dazu noch einer von der übelsten Sorte, ein Stadt-Wolf. Allmählich wird mir diese selbst angedichtete Attitüde zuwider. Wünsche mir, das graue, räudige Fell würde mir ausfallen, mein Blick würde nicht mehr getrübt, sondern klar hinter meiner Intellektuellenbrille hervorlugen, ich wäre nicht mehr weitab vom Schuss - und ich gälte als ehrbarer Bürger, der sein malerisches Häuschen bestellt und seinen Garten pflegt, in Schuss hält mit Rosen und Tulpen und fleißigem Rinnsteinkehren, jede halbe Stunde.

Aber ich wurde zum Wilden - und der Schuss, den ich meinte, galt mir, als berüchtigtem, gesellschaftlichem Raubtier, Wölfe werden zum vorzeitigen Abschuß freigegeben, wo immer man sie auch antrifft - sie könnten ja Unheil anrichten. Prophylaktisches Freiwild, sozusagen. Erstmal schießen, dann fragen. Nicht allein in meiner alten Sippe ist diese Ansicht gang und gäbe. Wie gut es mitunter tut, ein Wolf zu sein - denn der Mensch ist des Menschen Wolf - äußert sich darin: ein echter Wolf, gefräßig und in der Wolle gefärbt, kann einem waschechten Menschen nicht gefährlich werden. Dafür eignet er sich nicht, dazu hat er zu viel Angst vor diesem Menschen-Raubtier. 

Was meine Ängste angeht: sie sind da. Verläßlich und vorhanden, weil sie nunmal vorhanden sind. Kann man dies auch von menschlichen Wesen sagen!? Stellt euch vor, ich sage dies und zeige dabei mein Raubtiergebiss, bekämt ihr keine Angst vor mir?! Mein Herz lachte sich halbtot im kalten Wind des diesjährigen Januars.


2014-12-22

Ein oder mehrere Abschiede - Es geht weiter mit den Schlusspunkten -

Ein Zeichen setzen, einen Punkt machen, jetzt!, den Schlussstrich ziehen, hier und jetzt - Ja, wenn man sich verabschiedet, fehlen einem manchmal die Worte, und es müssen abgedroschene Worthülsen herhalten. Meine Alltagspoesie hinkt momentan ein wenig, ich bin prosaisch gepolt, von der tristen Wirklichkeit, die mir ihren Wischlappen genässt ins Gesicht schlägt. Sei´s drum, die Treppe hinab mit ihren fünfundzwanzigtausend Stufen, sie wird gegangen werden, ob ich will oder nicht. 
Es geht ums Abschiednehmen, falls es noch nicht bemerkt wurde.
Einerseits erfüllt es mich ein wenig mit Stolz, denn ich bin bestimmt der Einzige weit und breit, der dieses freiwillig tut. Ich will keinen Selbstmord begehen, das liegt mir fern, ich beuge mich nur ein wenig der Wirklichkeit, die keine Neuerungen kennt, auf vielen Gebieten, die mir mal etwas bedeutet haben. Sie sind im Begriff, allesamt bedeutungslos zu werden. 
Aber welche bleiben übrig? Sind es die, von denen ich mir wünsche, dass sie es bleiben? Eines ist gewiss, von der Gleichgültigkeit werde ich mich keineswegs verabschieden, die kann mich ruhigen Gewissens mein restliches Leben begleiten. Vom Hassen, vom Giften, von den Rachegedanken, von bestimmten Plänen lasse ich mich ebenfalls nicht weiter überfallen und beeinflussen. Die sind vorbei, gefallen wie faulende Früchte vom Baum der Erkenntnis.
Diese Abschiede geschiehen freiwillig, und es sind noch viele mehr, seit Jahren geht das nun schon so. Ich finde langsam Gefallen daran. Doch: Ein neuer Mensch werde ich dadurch nicht. Ich werde der Alte bleiben, der ich war. Ganz sicher aber werde ich mit weniger Eigenschaften durch die hiesige Gegend laufen. Ob sich dies zu einem Charakterfehler auswirkt?! Dieses Urteil überlasse ich Jenen, die sich anmassen, über mich urteilen zu wollen. Also tout le monde. Ich verlange sogar diese Gedankenfreiheit, die zwar nirgendwo hin führt, doch ein Restchen Respekt ist wohl immer noch drin, n´est-ce pas?