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2015-01-01

Aber raetselhaft bleibt ......

Zaeh und traege verfliessen die letzten Tage, nichts hat sich getan, die Zeit steht still - Nicht ein einziges Auto oder ein paar Spaziergaenger sind auf der Strasse vor unserem Haus zu sehen, zwischen den Feiertagen geht das alte Jahr zur letzten Ruhe. Eine letzte melancholische Ergriffenheit macht sich breit, die nicht aufzuhalten ist, weil diese verdammten Feiertage so viel an Erinnerungen in sich tragen, dass es schon an seelische Grausamkeit grenzt, sie wieder und wieder aufs Neue erleben zu muessen. Mir ist ein Alltag lieber, weil er sich nicht so oft wiederholt. Nur alle sieben Tage. Aber Weihnachten steckt zu tief in unseren Köpfen - Dabei ist dieses Fest rein von Menschen erdacht worden, mit Mystik hat es nichts zu tun. Alles willkuerlich irgendwann in der Spaetantike festgelegt. Die Glaeubigen glauben doch alles, was man ihnen vorsetzt.
Raetselhaft bleibt doch, wohin Jesus ging, als er vor der Kreuzigung gerettet wurde. Hat er wirklich in Indien bis zu seinem Tod gelebt!? Und warum feiern die Inder dann kein Weihnachten? Wenn er ueberlebt hat, gaebe es auch keinen Grund, das Osterfest zu feiern, es entbehrte jeder Grundlage.
Na schoen, Mythen werden dann erfunden, wenn man sie benoetigt. Und je weniger man von einer Person weiss, desto fantastischer duerfen diese Mythengeschichten ausfallen. Klappte in der Antike genausogut wie heute.
Am Heiligabend war ich in der Kirche, um einem Kindergottesdienst zuzuhoeren, der fast ausschliesslich von Kindern gestaltet wurde. Die Kirche war proppenvoll. Es erinnerte mich gespenstisch an die Weihnacht des Jahres 1967, alle Verwandten und meine Eltern sah ich ploetzlich hier sitzen, in der fuer sie festgesetzten Sitzanordnung, die nicht aufgebrochen werden durfte, damals. Wir glaubten auch damals alles, was der Pfarrer uns von Jesus erzählte. 
Zurueck zur Gegenwart, es waren meist fremde junge Ehepaare, die Eltern oder Angehoerige der agierenden Kinder vor dem Altar, am Schluss gab´s sogar Beifall fuer die Weihnachtsvorstellung der Juengsten des Dorfes und seiner Umgebung. Es war mir fremd, in einer Kirche zu sitzen - Und die Jugenderinnerung, oder -vision koennte ich sie auch nennen, brachte mir die friedlichste Stimmung fuer die naechsten drei, vier Tage seit unendlich langer Zeit. 
Mein Zorn und Unmut waren und blieben verschwunden.
& am Neujahrstag war ich mit meiner Lebensgefährtin oben am blieskasteler Kloster, eigentlich nur, um frische Luft zu schnappen. Aber mich zog es in die kleine Kapelle, ich wollte eine Kerze stiften und mich für das letzte Jahr bedanken (bin nicht katholisch, vor einem Vierteljahrhundert aus der evangelischen Kirche ausgetreten, wohlgemerkt!). Dazu brauchte ich einen heiligen Ort, die Kapelle kam mir da gerade recht. Eine einzelne Frau, sehr hübsch anzuschauen, vielleicht um die Vierzig, kniete in der Kapelle. Meine Lebensgefährtin schaute sie beim Hinausgehen einen Augenblick an, dann sagte sie spontan zu ihr, dass sie wünsche, dass das Anliegen dieser Frau sich erfüllen möge. Wir sahen uns an, lächelten uns an - In diesem Moment spürte ich, dass wir Menschen allesamt miteinander verwandt sind. Es erfüllt mich seitdem ein tiefer, tiefer, nie zuvor gekannter Friede, der hoffentlich auch dieser Frau zukommt.

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