- was einsamkeit bedeutet -
erste schritte wollte ich in richtung recherche ueber die armut in meiner heimatstadt blieskastel unternehmen. der gedanke zu diesem artikel steckt schon seit geraumer zeit in meinem kopf. was ist los, ich komme nicht in die gaenge, in die hufe, mache mich nicht aufn weg zu leuten, die gewichtig sind am ort, die ebenso darueber gruebeln, was es heisst, in einer stadt zu leben ohne finanzielle sicherheiten, ohne geld jemals zu besitzen - ein erster zaghafter versuch in diese richtung liess mich am vergangenen sonntag auf dem klosterfest in blieskastel landen.
weit davon entfernt, katholisch zu sein, zieht es mich doch hierher zu den drei moenchen, die das kloster bewirtschaften. in den alten zornigen zeiten haette ich sie sicher angequatscht, einen der drei kapuziner zumindest, er haette mir bestimmt rede & antwort gestanden.
an der vordersten ecke der klosterkirche kauerte ein bettler, dem gab ich einen kleinen betrag, nichts im vergleich zu dem, was ich auf dem fest ausgab, eine rostwurst, zwei klosterbier. obwohl in meinem geldbeutel zu dieser zeit lediglich sechs euro waren.
den armen teufel hat niemand beachtet. arme sind unsichtbar, sollte man meinen.
mir gefiel das fest, das treiben, das schoene wetter rundete alles ab, hier oben hat man einen tollen ausblick auf die stadt & das bliestal, so weit das auge reicht.
vielleicht muss ich erst durchatmen, bevor ich mein vorhaben tatsaechlich in angriff nehme. der artikel wird geschrieben, das weiss ich heute schon. nur braeuchte ich mehr wut, mehr authenzitaet, mehr wortgewalt in meinen saetzen.
jeder satz, den ich bereits formulierte, & der von der armut in blieskastel handelt, ist kuemmerlich & - ja, halbherzig. es ist ein gefuehl des alleingelasseinseins, als waere der letzte bus nach hause bereits abgefahren, nachts um halb eins, niemand ist unterwegs, & ich habe einen langen, langen fussweg nach hause zu nehmen.
da ist der reiche autohausbesitzer aus blieskastel, der mit seiner familie hier sass & gerade im begriff ist, heimzugehen.
der macht sich sicher ganz andere sorgen, denke ich bei mir, & da ich ihn nicht gruessen will, drehe ich mich schnell um & lasse den (k)elch an mir voruebergehen.
kaum ist er verschwunden habe ich ihn schon vergessen, die duesteren gedanken dazu, die ich fuer diese sippe hege. sie sind mir zutiefst unsympathisch, fast widerwaertig. im alltag erlebe ich sie zum glueck nicht oder sehr selten - es gibt wichtigere dinge als ueber autohaendler nachzudenken.
die moenche sind beschaeftigt, gesellig, aber beschaeftigt. ich schaue mich nach anderen leuten um, die fuer eine befragung geeignet schienen. aber ich kann niemanden mehr entdecken. mein konzept, das ich mir im gedaechtnis aufgelistet habe, geht allmaehlich ausm leim. ich weiss nun, es ist nicht der richtige zeitpunkt, leute zu fragen, ob sie zeit fuer ein heikles dunkles thema haetten, selbst moenche kommen dafuer heute nicht in frage.
oder habe ich nur wieder schiss vor der eigenen courage?!
eigentlich war die wut, der zorn, den ich vor nunmehr sieben jahren in mir trug, der letzte rest an hoffnung auf eine echte arbeitsstelle - was ist jetzt noch von ihr uebrig?
die antwort brauche ich mir nicht zu geben.
der bettler sitzt noch immer am selben ort, er hat eine mordsgeduld.
meine ist weg.
die letzten monate sind alle meine taetigkeiten, plaene, vorhaben, traeume von einer nahen zukunft, so etwas aehnliches wie "letzte dinge erledigen". es ist ein tiefes gefuehl des abschiednehmens in mir. dabei habe ich weder vor auszuwandern noch zu sterben.
das erledigen andere fuer mich.
der artikel ueber die armut in blieskastel wird sicherlich kein heimatroman.
ist die ueberschrift nicht merkwuerdig? aber gewiss nicht, die einsamkeit ist eine der beruechtigten begleiterscheinungen der armut, sie ist universell, nicht von einem ort abhaengig. & sie traegt nicht die kosten, dafuer muss man selber aufkommen.
Phil Sutaio möchte Sie auf eine interessante Reise mitnehmen. In unregelmäßigen Abständen wird über Zustände & Umstände berichtet, zwar aus vollkommen individueller Sicht, wie es sich gehört, & manches Mal völlig verzweifelt & ungerecht, parteiisch &/oder freiheitssüchtig. Aber mit gewissenhafter & hartherziger Ehrlichkeit verknüpft, die über alle Zweifel erhaben sein will - sich dennoch nur in Spöttereien manifestiert. Auf gehts, zu den Sternen ......!
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2013-06-11
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