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2022-12-03

Soll der Traum/ die Vorstellung wahr werden?

Mit Slogans ist das so ´ne Sache, aber als ich vor Jahren den besagten an der Bliesbrücke (das Geländer und die Mauer!) las, haute es mich beinahe von der Kiste. 
"Lasst die Traditionen sterben!"
Eigentlich ist das Ausrufezeichen überflüssig, vielleicht habe ich es nur aus eigenem Antrieb hinzugefügt. Anyway, ich muss sagen, der Satz hat Klasse. Er ist an Radikalität kaum zu überbieten, was Kultur und kulturelles Leben anbelangt.
Traditionen gehören zur alten Kultur, wohlgemerkt. Was wir uns in den letzten 120 Jahren angeeignet haben, ist keine Kultur in dem Sinne, bloß "Folklore" - Brauchtum. Das ändert sie eh´ alle naslang, sprich, mit jeder Generation, die heranwächst, mindestens zweimal. Nicht weiter wichtig.
Aber Traditionen - gewachsen seit der Megalith-Kultur, (siehe Gollenstein!) kaum verändert, wozu die Konfessionen nicht wenig dazu beitrugen, sie zu erhalten,  gilt es, geht man nach dieser "Doktrin" aus, alles über Bord zu werfen, was einem normal Sterblichen unter die Haut gegangen ist, seit er das Licht der Welt erblickte.
Ich weiß genau, was jetzt passieren könnte - als eingefleischter Blieskasteler äußere ich mich nicht zu solch dümmlichen Gehirnfürzen, die Sitten ändern zu wollen, da schweige ich lieber und rufe klammheimlich nach der althergebrachten Ordnungsmacht, damit diese solche Verbalinjurien endgültig verbietet. Bei Strafe im Wiederholungsfall, natürlich, selbstredend.
Aber warum, warum, warum keimt in mir der unheimliche Gedanke, die alten, überkommenen Ungesetzmäßigkeiten einfach mal in den Mülleimer zu denken - nur in Gedanken einmal durchzuspielen. Was fiele mir da ein?!
Ich bräuchte nie mehr "Guten Tag" zu sagen.
Kaffee, Zigaretten und Alkohol bräuchte ich nie mehr zu konsumieren.
Ich könnte immer freundlich zu Nachbarn sein, die wiederum wären genauso freundlich mir gegenüber.
Die Polizei, Bundeswehr, Politiker, der blieskasteler und jeglicher Stadt-, Gemeinde-, Ortsrat wären dauerhaft überflüssig. 
Die Zeitungen bräuchten keine Nachrichten mehr zu erfinden.
Die Vulkane bräuchten nicht mehr auszubrechen.
Hochzeiten und Kinderkriegen wären obsolet.
Stadtwölfe wären endlich arbeitslos, denn es gäbe keine Skandälchen mehr aufzudecken oder zu kommentieren.
Und, und, und.
 
Gibt es Einwände dagegen? Ich höre.
 
Wie Sie sicherlich leicht erkennen können, sind diese Vorschläge reichlich absurd und beinahe surreal. Ach ja, die Gegenwart könnte auch gleich mit abgeschafft werden, da gäbe es keine Krisen mehr im Land wie auf der gesamten Welt - das nur nebenbei.
Das wären allerdings nur die liebgewonnenen Traditionen, wie steht es mit den unangenehmen, den ablehnungswürdigen?!
Keine Ausnahmen ohne Regulierung. Welche Ausnahmen das nun wären, darüber möchte ich nicht spekulieren. Ausnahmen erfinden, gehören die nicht auch zu den Traditionen!? Und die Regeln sowieso. Letztere werden meist als unangenhem aufgenommen, die könnten tatsächlich wegfallen. 
Doch was käme danach, wenn dies alles durchgeführt wäre?
Würden wir die Traditionen vermissen wollen?
Wünschten wir uns wieder die ungnädigen Gesetze zurück, wie die ungeliebten, verhassten Fernsehgebühren?
Würden wir die Prügelstrafe für Frauen und Kinder wieder einführen?
Dann lieber weiter mit der Megalithkultur leben. Danke schön.




2020-09-23

BEKENNTNISSE 2


Wer will noch Gedichte lesen? Sind Lyriker allesamt Spinner? Nimmt irgendjemand noch wahr, dass es Schriftsteller, ja, Dichter, gibt, die im Verborgenen existieren und ungelesen vor sich hinschreiben? Manchmal hatte ich Zeiten, da hing ich an jedermanns und jederfrau Rockzipfel (bitte NICHT falsch verstehen, es ist nicht sexistisch gemeint!), um Aufmerksamkeit zu erhalten, bei dem, was ich so vor mich hin kritzelte. Es waren nur die falschen Vorgehensweisen, um reich und berühmt zu werden. Hat wohl nicht so richtig funktioniert.

Und was mache ich jetzt!?

Ich hole tief und verwegen Luft und – tue wieder beinahe das Gleiche, was ich immer tat. Das Internet unsicher machen mit meiner Anwesenheit, dabei weiß ich genau, dass der Erfolg (die Ehre, die Anerkennung, das Lob!) wie früher auch ausbleiben wird. Kann auch sein, dass ich von Russland und/oder China ausspioniert werde, weil ich so hartnäckig poste und nach Ruhm und Ehre lechze. Dabei bin ich kein Jungspund, eher ein alternder Macho-Affe, der sein Dschungelcamp verlässt, um sein Glück im Altersheim zu suchen.

Wenn das Glück dort nicht ist, wo ist es dann?

Kein Schriftsteller/Dichter lässt sich gern in die Karten gucken, so ist es auch bei Musikern, und zwar ebenso aus ihrer Sicht wie aus der der Öffentlichkeit. Es zählt nur das Ergebnis. Und das Publikum ist eine Diva, die launisch und wählerisch aus Unterhaltungshunger heraus ihr Urteil fällt, was lesenswert, hörenswert oder wertlos ist.

Nach wie vor schreibe ich. Dies ist eine Drohung, jedes Mal, wenn ich dies sage, könnte es zum Eklat kommen, denn der Dichter hat nicht zu tönen, er hat zu schweigen und seine Bücher zu veröffentlichen, ohne über sie zu reden. 

 

2010-08-13

Tagebuchblatt 1

1_eine „wundervolle“ scheussliche nacht verbracht, mit schweissausbruechen, kopfschmerz & magenverstimmung aufgewacht – eigentlich nicht auf-gewacht, sondern auf-geschlagen wie ein rohes ei, so begann der morgen (wieder dieser jammerlappen!, werden meine leser jetzt sagen, aber ich erzaehle bloss, wie es war). manchmal haben die naechte tausend augen, diese jedenfalls nicht.

wie es sich anfuehlt, wenn alles verloren ist? so aehnlich wie oben, nur mit dem bewusstsein, wach & am leben zu sein. zukunft ist nicht mehr, sie ist gestorben, ebenso die alte luegnerin HOFFNUNG – eine mittlerweile abgedroschene metapher, die ich einst zu einer arge-sachbearbeiterin sagte.

was jetzt noch zaehlt? muss ich erst drueber nachdenken, habe keine vorstellungen.

ich fluechte mich in meine alten genres – beat generation, jack kerouac, allen ginsberg usw. die haben wenigstens gelebt, wie sie es wollten, auch mit geldsorgen & armut gekoppelt an den alptraum, der sich amerika & – in meinem fall – deutschland nennt. anmassung von mir!? sicherlich, anmassung von mir, mich mit den beat-autoren auf eine stufe zu stellen. aber wenn mir danach ist, sie mal wieder ins gedaechtnis zu rufen!? jetzt weiss ich zumindest, was es heisst, vogelfrei zu sein, in einer gesellschaft zu leben, die mich nicht braucht & mirnichtsdirnichts auf den muell ihrer selbst wirft. ein wunderbarer kreislauf, der nie endet. das wunder des lebens, der sinn allen seins. ich danke auch recht schoen (müsste ich das nicht an die ARGE schicken, mit ´nem schoenen gruss von mir?).



2_im november soll ich mich bei der ARGE melden – vier wochen vor dem arbeitsvertragsende. damit ich meine scherflein ab dezember fuer ein halbes jahr bekommen kann. die ARGE ist ein gefaengnis, aber ohne zellen, die angestellten, die dort arbeiten, dieses verbürokrateten, wandelnden weihrauchfahnen, sind meine vier zellenwaende – nix gegen die leutchen, aber so sieht es nun mal aus fuer mich, heute, morgen, alle Tage. der tag hat vierundzwanzig stunden, wieviele stunden hat ein gefaengnis?



3_noch bin ich nicht im gefaengnis drin, andere haben schon bessere bluesgeschichten darueber geschrieben, ich lasse es lieber sein – den ARGE-blues hat noch niemand geschrieben. kann man daraus schliessen, dass die ARGE schlimmer als gefangnisaufenthalt ist??????

dies ist sehr sehr subjektiv, jeder empfindet anders, aber ich bin nicht jeder & empfinde nun einmal so & nicht anders.



4_meine kollegen ruehren mich fast zu traenen - so manch einer nimmt anteil & manch einer kocht ueber vor wut, weil meine situation so verzweifelt erscheint. es adelt sie. & das habe ich auch einem kollegen gestern gesagt. ein kleiner trost & der beweis, dass ich hier nicht ganz ungelitten bin. vielleicht geschieht auch noch ein wunder. wir sollten wieder mehr glauben (auweia, man merkt, dass sich meine laune bessert, es satirt beinahe wieder, weiter so, sutaio, get yer rocks off!).

—– & schon ist wieder alles verschwunden, die alte lust am fabulieren & dampfablassen, this land is my land, but it isn´t my home any more. this land is my land, but my home´s beyond the sea shore (frei nach woody guthrie, gott hab ihn selig!).