Wie hätte ich es denn nur gerne? Ich komme von dieser Stadt Blieskastel nicht los, weil und gerade deshalb sie meine heimatliche Stadt und Gegend ist, in der ich lebe, liebe, hasse und gehasst werde - Sei´s drum. Es ist auch die Stadt, von der ich abhängig bin, wenn ich zum Arzt gehen oder Lebensmittel kaufen muss, letzteres tue ich gerne, ersteres weniger. die leute in der stadt an sich interessieren mich weniger, nur die zugezogenen sind interessanter für mich, obschon ich ein waschechtes Kind dieses Tales bin, muss ich zugeben. Ob ich für die Blieskasteler interessant genug bin, entzieht sich meiner Kenntnis, respektive meiner wachsenden Ignoranz.
Morgen, an einem Dienstag, muss ich zu meiner Hausärztin. Sie praktiziert in der Innenstadt, nicht weit weg von den mächtigen Stadtwerken, die weite Teile Blieskastels in all ihrer Unheimlichkeit dominieren. Ich gehe ungern zu ihr, denn irgendetwas stimmt nicht mehr mit den Ärzten, sind sind unpersönlich und fast feindselig geworden, so, als wollten sie das Geld gerne kassieren, aber keine ihrer Patienten behandeln. Für mich persönlich ist es entsetzlich, das mitansehen und -hören zu müssen. Ich erinnere mich einer Zeit, als die Mediziner dieser Stadt freundlich und zuvorkommend zu ihren Kranken waren, ob sie nun tatsächlich krank waren oder nicht. Die Zeiten werden härter, das Gold liegt nicht weiter auf der Strasse, den Fischen wird das Wasser abgegraben, es entwickelt sich eine seltsame Zunft in unserer Region. Für die ich keinen Namen habe, weil ich sie verachte.
Vielleicht liegt es daran, dass meine Bekannten und weniger gut Bekannten alle alt geworden sind, viele sind schon reichlich betagte Senioren und Seniorinnen, auch ich bin nicht weiter jung, obwohl ich mich in meinen Gedanken nicht so fühle. Es beunruhigt mich nicht, nur, wenn so viele um mich herum wegsterben, komme ich mir äusserst fremd im eigenen land vor. Von meiner Sippe aus der Grossmutterlinie meines Vaters starben alleine in den letzten drei Jahren fünf Menschen, die ich fast ausschliesslich über dieses Treffen kennenlernen durfte, und die ich überaus gerne mochte - Nur als Beispiel gedacht. Das alljährliche Sippentreffen offenbart eine abnehmende Zahl der noch Lebenden, jüngere Verwandte kommen keine dazu. Die gehen allesamt andere Wege.
Mein Weg führt mich morgen wieder nach Blieskastel, über die Brücke und am ersten Kreisel vorbei, zu den wohlbe-kannten Gebäuden, die mir die Vergangenheit unsanft in Er- innerung rufen werden, jedesmal, wenn ich sie erblicke. Manchmal bin ich vor mir selbst verblüfft, wenn ich mich dabei ertappe, dass sie mir so angenehm vertraut begegnen, wenn ich die ersten Schritte in Richtung Marktplatz mache. Doch das ist dann schon alles. Mein Unmut nimmt überhand, und das ist auch richtig so, im Zorn habe ich stets die besten Einfälle, so oder so - im Guten und im Bösen.
(wird fortgesetzt)
Phil Sutaio möchte Sie auf eine interessante Reise mitnehmen. In unregelmäßigen Abständen wird über Zustände & Umstände berichtet, zwar aus vollkommen individueller Sicht, wie es sich gehört, & manches Mal völlig verzweifelt & ungerecht, parteiisch &/oder freiheitssüchtig. Aber mit gewissenhafter & hartherziger Ehrlichkeit verknüpft, die über alle Zweifel erhaben sein will - sich dennoch nur in Spöttereien manifestiert. Auf gehts, zu den Sternen ......!
Hier kannst du mir was mitteilen!
Dieses Blog durchsuchen
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
-
Angst4 - Eine interessante Band aus dem saarländischen Underground - Angst4 - "Die Erste Angst" - LP, dasbleibt Schallplatten...
-
Kurz davor, ein verkrueppelter dorftrottel zu werden, der sich in sachen kulturbanause profilieren will, freut es mich dennoch, das frisch ...
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen