Angst4 -
Eine interessante Band aus dem saarländischen Underground -
Angst4 - "Die Erste Angst" -
LP, dasbleibt Schallplatten das 01
Habe mich sehr gefreut, eine LP dieser Saarbrücker Band in die Hand zu bekommen, aus erster Hand - vom Bandmitglied Michael W., der bei Angst4 den Synthesizer bedient. Da ich noch mehrere Stunden in der Stadt unterwegs war und sie nicht gleich hören konnte, habe ich mir die Texte vorgenommen, ein Textblatt liegt der Platte bei. Mein erster, spontaner Eindruck war: karg, minimale Wortwahl, düstere Sujets, Selbstmordmusik. Zuhause, nach dem ersten Hören: hat alles Gelesene nochmal bestätigt, mit der Musik kommen die Texte jedoch ganz anders an wie die gelesenen. Und genau da fängt meine Kritik an.
Ich weiss, dass die Musik, die Texte, der Gesang, ja, die gesamten Arrangements, bestimmte Stilmittel sind, gewollt, ausgeklügelt, beeindruckend auf eine Weise, die mir von der Minimal Art, Minimal Music, her bekannt ist, und die ich zeitlebens interessant finde - weil sie fremdartig wirkt, anders gedacht/durchdacht daherkommt. Die Musik ist für mich schwer konsumierbar - ich bin es gewohnt mit Melodie, Strophe, Refrain, Solo, Strophe usw. beschallt zu werden. Es muss kein populärer "Hit" sein, der Aufmerksamkeit erregen soll.
Ein ostinater Bass, ein einzelner Ton, der manchmal etwas variiert, möglichst in Sechzehnteln gespielt, Synthesizer-Klänge, viel Hall und ein Gesangsstil, der sich immer wieder in ein und demselben Ton wiederfindet, auf jedem Stück. Oberflächlich gehört ist ein Stück nach wenigen Augenblicken enervierend, und es erfordert Geduld, ihm bis zum Ende zuzuhören. Der Gesang ist so stark im Klangbild zurückgenommen, dass man die Wörter nicht gut versteht - wenn man sie mitliest, ist das Verstehen besser, und die Faszination, die von diesen wirklich kargen, aber aussagekräftigen Texten ausgeht, bekommt eine weitere Intensität.
Die Texte erschließen sich einem nicht von vorneherein, es dauert eine geraume Weile. Aber sie verleugnen nicht ihre Wirkung. Wie gesagt, gelesen und gehört, beides äußerst vielversprechend und hochinteressant.
Die Texte sind "hard stuff", gelinde ausgedrückt. Ich bin bestimmt kein Optimist, aber was hier ausgedrückt wird, kann an Düsterkeit und Pessimismus nur schwer überboten werden. Denkanstöße - auch an die so genannten Optimisten gerichtet - sind sie allemal. Eine ganze Platte mit solchen Texten zu füllen ist schon gewagt. Aber es macht auch ihren eigenwilligen Reiz aus. Ich habe sie an jenem Morgen dutzende Male durchgelesen, sie zeigten Wirkung.
Würde die Band gerne live hören und sehen - es wäre bestimmt ein gutes Erlebnis für meine alten Ohren und Augen. Vor allem würde mich interessieren, welches ihre Fans sind, dass es sie gibt, davon bin ich überzeugt. Es genügt nur ein Quäntchen Neugier in Sachen Musik, dann ists vollbracht. Auf jeden Fall ist ANGST4 für mich eine Bereicherung, werde ihre Karriere bestimmt weiterhin verfolgen. Vielleicht kommen sie doch einmal hierher nach Blieskastel zu einem Konzert, würde mich freuen.
Wer sich Angst4 anhören möchte, kann es auf: bandcam.com/angst4
Blieskastel, im November 2024