Philosophisch ist der Angsthase im eigenen Land.
Ist es gut und gerechtfertigt, Kindern Angst einzuimpfen?! Die Liebe zu Tieren und zur Natur einem Kind vorzuenthalten, ist eine Sache, doch Angst an diesem Kind zu pflegen und weiter zu verbreiten ist eine andere, ungerechtfertigte. Und als Erwachsener darf keine gezeigt oder an den Tag gelegt werden, das ist ein ungeschriebenes Gesetz, nicht nur in Blieskastel. Widersprüche. Widerliche Sprüche, aus den Tiefen der Unkenntnis hervorgespült, um die Wirklichkeit zu verwässern.
In dieser Woche - die vierte Januarwoche in 2024 - herrschte rund um Blieskastel Hochwasser. Fasziniert und gleichzeitig enstetzlich angstangefüllt schaue ich auf die schnell driftenden Wasser der Blies, wenn ich sie kurz vor der Stadt überquere, in scheinbarer Sicherheit von der Brücke aus gesehen. Schaue ich längere Zeit auf diese dräuenden Fluten wird mir jedesmal schwindlig und mulmig zumute, das ist verbunden mit einer Erinnerung aus der Kindheit, die mich zeitlebens nicht verlassen hat: die Angst vor fließendem Wasser, Flüsse, Ströme - ich sehe immer noch den erhobenen Zeigefinger der Alten, die mich erzogen haben. Sage niemand von euch mutigen, selbstbewussten und hoffärtigen Menschen jetzt bloss nicht "Welpe" zu mir, sonst beiße ich euch in die Leber, Wölfe fürchten sich nicht vor Wasser.
Ich schon.
Werten, Urteilen über verschiedentliche Vorurteilsdenkweisen sind ein probates Mittel der Ver- und Entfremdung, sie sind bequem und nützlich, dem Gegenüber zu zeigen, was ´ne Harke ist. Ich stellte mich gerne UNTER diese Brücke der scheinheiligen Kommunikation miteinander, auch zeitlebens. Ich entweihte damit nichts, lediglich meine eigene Würde. Und da ich keinerlei Würdenträger bin, ist das nicht von Wert, nachhaltig gar nicht.
Soviel zu meiner Person als Mensch, wenn ich diese Rolle hie und da annehme.
Da gab und gibt es aber etwas, das man in seiner Häme leicht übersieht: das graue bis dunkle Fell, der heimtückische Blick, die zur Schau gestellte Samtpfötigkeit, alles entsetzliche Widersprüche mit sofortiger Wirkung, die nichts Gutes verheißen mag. Ein Wolf eben, und dazu noch einer von der übelsten Sorte, ein Stadt-Wolf. Allmählich wird mir diese selbst angedichtete Attitüde zuwider. Wünsche mir, das graue, räudige Fell würde mir ausfallen, mein Blick würde nicht mehr getrübt, sondern klar hinter meiner Intellektuellenbrille hervorlugen, ich wäre nicht mehr weitab vom Schuss - und ich gälte als ehrbarer Bürger, der sein malerisches Häuschen bestellt und seinen Garten pflegt, in Schuss hält mit Rosen und Tulpen und fleißigem Rinnsteinkehren, jede halbe Stunde.
Aber ich wurde zum Wilden - und der Schuss, den ich meinte, galt mir, als berüchtigtem, gesellschaftlichem Raubtier, Wölfe werden zum vorzeitigen Abschuß freigegeben, wo immer man sie auch antrifft - sie könnten ja Unheil anrichten. Prophylaktisches Freiwild, sozusagen. Erstmal schießen, dann fragen. Nicht allein in meiner alten Sippe ist diese Ansicht gang und gäbe. Wie gut es mitunter tut, ein Wolf zu sein - denn der Mensch ist des Menschen Wolf - äußert sich darin: ein echter Wolf, gefräßig und in der Wolle gefärbt, kann einem waschechten Menschen nicht gefährlich werden. Dafür eignet er sich nicht, dazu hat er zu viel Angst vor diesem Menschen-Raubtier.
Was meine Ängste angeht: sie sind da. Verläßlich und vorhanden, weil sie nunmal vorhanden sind. Kann man dies auch von menschlichen Wesen sagen!? Stellt euch vor, ich sage dies und zeige dabei mein Raubtiergebiss, bekämt ihr keine Angst vor mir?! Mein Herz lachte sich halbtot im kalten Wind des diesjährigen Januars.
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