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2024-02-06

Die bösartigste Berichterstattung der Welt

Was ist los, warum bin ich so unbeliebt in dieser Stadt? Blieskastel ist mimosisch veranlagt. Übersinnlich empfindlich - nicht empfindsam -  jedes Wort, geschrieben oder gesprochen, wiegt einhundert Zentner oder mehr. Und das Gesagte wird noch dreimal durch den Wolf gedreht - ha ha, habe ich gar nicht gemerkt. Wird man davon satt!?
Seht mich an, ich habe schon bessere Tage sehen dürfen, ich hatte schon mal mehr Schmalz auf der Hüfte. Macht mir aber nicht viel aus, wenn die Knochen rappeln bei jeder Bewegungsgelegenheit, macht das einiges mehr an Lärm aus. Und für diesen bin ich wahrlich zu haben. Blieskastel bräuchte auch mehr davon. Doch Schlafmützen wollen partout nicht gestört werden.
Vielleicht bin ich deswegen so unbeliebt.
Meine Visage ist ein Schwarz-Weiß-Foto. Immer und überall, Menschen mögen keine monochromen Sachen, ich schon.
Vorigen Montag - 5. feb - streunte ich wieder durch die City. Hatte natürlich ein paar Erwartungen in meinen Gehirnwindungen, sie sollte es eigentlich nicht geben, doch sie waren da.
Kurz und klar ausgedrückt: nichts, nicht die Bohne, nada hat sich geändert innerhalb dieser Mauern. Es lebe die Langeweile! Wenn nichts geschieht, dann passiert auch nix. 
Aber, was soll hier denn noch geschehen!?
Schlurfe ich über den Parkplatz am idyllisch gelegenen Rathaus und schlürfe anschließend meinen geliebten Cafe Creme in meinem neuerdings wieder anerkannten Lieblings-Cafe - traurig und resignierend. Habe mein Wanderoutfit dabei, so dass man mich leicht erkennen kann, aber Fehlanzeige! Der Rucksack schlenkert seine losen Gurte, mein italienischer Stetson schützt mich vor allzu neugierigen Blicken - die es nicht gibt. Falle dennoch auf, aber anders, wie ich es erhoffte. Bin kurz davor, für einen Bettler gehalten zu werden - bin ich ja auch, ich bettele darum, dass endlich irgendwelche Bürger aufstehen und ihre Meinung herausbrüllen! 
Ein winzig kleiner Trost: zwei Tische weiter sitzt ein alteingesessener Blieskasteler, den ich weitgehend ignoriere. Ist das ein Widerspruch in sich!? Er sieht mich ja nicht, wie es von mir gewohnt ist seit Jahren. Dann, ganz am Ende meines dortigen Aufenthaltes, wagt er sich doch hervor und wechselt ein paar Worte mit mir. 
Mit einigem Widerwillen antworte ich ihm. War es nur ein launiger Spuk am Montagvormittag? Ich lasse meine Antwort auf diese Frage zurück in dem Cafe. Ist auch besser so, der heutige Montag vergeht auf diese Weise.
 
 Später lande ich an der ungeliebten Bushaltestelle. Aber ein Gutes hat sie: es sind hier zahlreiche Leute, die auf ihren Bus warten, allesamt Menschen von außerhalb - und überwiegend junge Leute, Schüler meist. Hier fühle ich mich am wohlsten, unter jungen Leuten, weil sie in mir den Wanderer, den Streuner, den Observierer erkennen. Niemand redet mit mir. Meine wölfischen Augen unter dem Hut sind glühende kleine Kohlen, die nie ausgehen. `Da kommt noch was´, wollen sie sagen. Da kommt noch was, ich bin noch nicht am Ende .... Ja, stimmt - da kommt endlich mein Bus, ca. sieben Minuten zu spät. Käme er nicht aus Homburg, würde ich behaupten, er wäre ein waschechter Blieskastel-Bus. Wie man sich doch irren kann ....

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