- Wie alte "Gewohnheiten" wiederkehren -
Seltsame Gewohnheiten offenbart diese Zeit, Corona-Lockdown-Zeit, wohlgemerkt. Es ist das Frühjahr 2020, ich möchte Brötchen kaufen in der Bäckerei am Marktplatz, bis ich drankomme dauert ein bisschen, es dürfen immer nur zwei Personen im Laden stehen. Als ich gerade wieder den Laden verlassen will, begegne ich einem alten Kumpel von früher, den ich seit vielen Monaten nicht gesehen und gesprochen habe. Wir freuen uns Beide über das Wiedersehen.
Er kommt, ich möchte gehen, und was machen wir? Wir geraten ins Plaudern, wie es alte Bekannte gewohntermaßen tun, hinter seiner OP-Maske habe ich ihn nicht gleich erkannt, es ist alles noch ziemlich ungewohnt in jenen Tagen. Wir quatschen uns fest, wo wir gerade stehen und erregen sogleich den Unmut einer älteren Dame, die soeben den Laden betritt.
"Können Sie nicht woanders rumstehen, ich möchte auch noch was einkaufen!?"
"Wir haben uns lange nicht gesehen und sprechen gerade miteinander ....."
"Gehen Sie gefälligst raus auf die Straße, wenn Sie sich unterhalten wollen."
Wir überlassen der Frau ihre ursprüngliche Absicht, es soll hier auch nichts eskalieren, aber mein Verständnis für den barschen Umgangston der Dame ist am Nullpunkt. Mein Bekannter schüttelt den Kopf, auch er ist brüskiert über den sogenannten Kasernenton der Dame. Diese mault noch hörbar über uns unverschämte Typen, als sie bereits von der Verkäuferin angesprochen wurde und bedient wird.
Was ist geschehen?
Das Analysieren fällt mir im Augenblick schwer, da mir die Geschichte zu banal dafür erscheint. Es ist noch nicht lange her, dass im Saarland die Maskenpflicht in der Öffentlichkeit eingeführt wurde, die Betonung liegt auf "PFLICHT" - Vielleicht ist dieses Wort der springende Punkt, womit die Dame ihren Unmut begründen könnte. Schließlich waren wir so frech und dreist, sie in diesen Notzeiten am Einkaufen zu hindern. Und es ermutigte sie, ihrer Bürger-PFLICHT nachzukommen und andere Leute zu ermahnen und zu maßregeln. Auf Pflichtverletzung folgt Strafe, das haben die deutschen Bürger mit der Muttermilch eingesogen.
"Wer nicht hören will, muß fühlen", fällt mir noch ein. DER Satz hat noch gefehlt.
Die Geschichte ist so lächerlich, wie sie wahr ist. Gebt den Leuten einen Befehl, und sie werden sich sputen, diesen zu erfüllen, koste es, was es wolle. Und am liebsten und ehesten auf Kosten der Mitbürger. Die Deutschen wachen aufmerksam über ihresgleichen.
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