Gewaltige Prügel für den Stadtwolf - ´s Wolferl musste mächtig Haue einstecken
Wäre doch ´ne prima Schlagzeile, was!? Endlich wird´s dem altgrauen Mordkopf mal gründlich gezeigt! Wurde verdammtnochmal Zeit, es gibt viel zu viele von seinesgleichen in der Stadt - ein einziger Frevel an der ehrbaren Gesellschaft Blieskastels.
Frommer Wunsch, fürwahr. Mein alter Kumpel, der amerikanische Kojote Simon Bolivar Coyotero, fragt mich lapidar: "Was iss´n passiert? Is überhaupt was passiert, hä!?"
Lieber Simon Coyotero - nix Gravierendes is geschehn, es wurde noch immer keine Mauer gegen die anstürmenden Migranten aus Übersee (sprich: Mediterranée) errichtet, es wurde noch kein Trump in Blieskastel gesichtet, der seinen Freund Putin in die Von-der-Leyen- einlüde, zur Gaudi russisch-nationalgermanischer Gesinnungskumpanen. Es wurde nur ein seltsam wirkender Nebel gesichtet, der über die Stadt liegt und sich breitmacht. In den Bergen deines heimatlichen Nordmexikos und südarizonischen Revieres gibt es jenen ominösen Nebel gar nicht. Den gibt´s nur hier - das schwöre ich dir.
Der Nebel trat mit einem Schlag auf - kaum, dass ich die Szenerie betreten hatte. Eingelullt vom harmonischen Lachen und Zusammensein der letzten Tage und Wochen wusste ich im ersten Augenblick nicht, wie mir geschah. Es ging auch kein verschwörerisches Raunen durch die Menge, die mich ansichtig wurde, als ich ihr ansichtig wurde. Wie auf Kommando verzogen sich die meisten der Gesichter bei Männlein wie Weiblein, derer ich blitzschnell gewahr wurde, zu einer hämischen Fratze, andere handelten wie immer, nämlich ignorant jedem gegenüber, der hier herumspazierte und die Leute anglotzte. Dabei hatte ich an jenem Morgen, dem gestrigen Tag, keinerlei Absicht, Spottverse auf diese Stadt zu schmieden, seine einschlägigen Bewohner inbegriffen.
Die Prügel habe ich eingesteckt. Habe mich kaum gewehrt, denn es ist ja nix passiert! Die Petersilie wurde mir nicht verhagelt, ich wurde nicht niedergeschrien noch verurteilt zu Zwangsarbeit, bin nicht zum Sklaven degradiert worden und nicht als Bettler auf die Straße hinausgejagt worden. Es geschah dennoch - ein leichtes Heben des Kopfes, ein kollektives Erkennen meiner schäbigen Gestalt, ein stummes Einverständnis, diesem schmarotzenden Wildtier, das in unregelmäßigen Abständen die heiligen Lämmer Blieskastels reißt, die Stirn zu bieten - weil es schwach wirkte. Schwache Wölfe, wo gibt´s denn sowas!? Krüppeliges Humpelstilzchen auf vier Pfoten, Pfui Teufel!
Simon Bolivar Coyotero, alter Freund, du musst es doch auch wissen, wie das ist, wie sich das anfühlt, diskreditiert zu werden! Deine Art, die amerikanischen Kojoten, sind die verachtetste Tierart in den USA und Mexico. Komm ja nicht rüber nach Deutschland, hörst du! Ich werde dir aber berichten, wie es hier zugeht, wenn einem das widerfährt, was du seit Jahrhunderten aushalten musst. Mexico und die USA sind weiße Gesellschaften, einst von Weißen errichtet und manifestiert - Blieskastel macht da keine Ausnahme. Vor ein paar Tagen sang ich mal wieder ein Loblied auf die große Französische Revolution, die in weiten Teilen in die amerikanische Verfassung eingeflossen ist - wo ist sie in Deutschland, in Blieskastel, geblieben?
Simon Bolivar Coyotero, bitte antworte mir! Auch wieder so eine verpönte Geste, diese Bittstellung eines alternden Reh- und Schafjägers, der ich bin - zwar bin ich alt, doch ein Bittsteller bin ich schon immer gewesen. Gehört zu meiner lahm gewordenen Natur. Ich tue mein Bestes.
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